was andere über meine Stücke schreiben
Wind für Orchester
Den Rahmen des mit dem Motto »Naturklang – Klangnatur« überschriebenen Abends bildeten zwei Werke von Karoline Schulz, die gemeinsam mit dem Flötisten Olaf Georgi auch durch das Programm führte. Die Dresdner Komponistin und Schülerin von Jörg Herchet gehört zu den furcht- und kompromisslosen Vertreterinnen einer avancierten Tonsprache. Dabei versteckt sie sich nicht hinter Vorbildern oder formelhaften Gesten, sondern lässt das groß besetzte Kammerorchester mutig im ganzen Raum aufspielen. Bestechend die Mikrotonalität und der enthusiastische Schwung des Stückes von 2007 (»Im Überschwang des Raumes«) mit unterschiedlich gestimmten Orchesterteilen, die in den Raum expandieren, den Zuhörer umfangen und in die Mitte nehmen. In Wind erscheint ein ähnliches Herangehen feiner austariert, sehr sensibel, aber nicht weniger ansteckend. Karoline Schulz bekennt sich auch in der Uraufführung zum vollen Orchestersound mit seinen modernen Möglichkeiten. Windgeräusche vom Band eröffnen und beschließen das neue Werk – fast wird der autonome Charakter der Musik dadurch etwas ins Illustrative gehoben, aber diese Empfindung mag sehr subjektiv sein. Deutlich wird dadurch nicht zuletzt, dass für die Komponistin die Natur im Mittelpunkt steht und aus ihr auch die Klänge erwachsen. Konsequenterweise hat sie das Stück den Aktivist*innen des Hambacher Forstes gewidmet und auf das biblische Bild des Elia verwiesen, dem Gott nicht im Sturm, nicht im Feuer, sondern im leichten Säuseln begegnet.
Ekkehard Klemm
Bilderbuch für Klaviertrio
Den nachdrücklichsten Eindruck hinterließ (mit dem kurzen zeitlichen Abstand dieser Zeilen) Karoline Schulz‘ Trio. Sie beschreibt darin nicht nur bildhafte Szenen, sondern entwickelt Klänge von geradezu haptischer Qualität. Wie im dritten Satz, dessen Sujet die raue Steinwand oder der Putz eines Hauses ist. Wie das elole-Klaviertrio hier die Idee, Sprödigkeit einzufangen, spannend auferstehen ließ, war phaszinierend! Doch schon mit dem Beginn »Holunderbusch« ließen sie im Wind schwankende Blütendolden und Tautropfen imaginieren. Die thematische oder programmatische Erklärung von Stücken ist oft heikel, nicht zuletzt, weil von der Umsetzung und Niederschrift einer Idee des Komponisten bis zur Entschlüsselung des durch Musiker aufgeführten Werkes durch Zuhörer mehrere Brücken überschritten werden müssen. Karoline Schulz‘ Trio entspricht aber gleichermaßen ihrem erklärenden Text, wie es Freiheit zur Interpretation läßt. Dem Labyrinth des »roten Fadens« (2. Satz) zu folgen, dessen Weg nicht geradlinig verläuft, sondern schief zu geraten und abzugleiten zu drohen scheint, war inspirierend (und selbst die aus aufführungspraktischen Gründen gewählte Verkürzung ergab keinen Bruch). Mit dem abschließenden »Zwischen den Sternen« beschreibt Karolin Schulz schließlich nicht nur den (vorgestellten) Raumklang des Weltalls (eigentlich müßte es lautlos sein – doch wer kann das nachprüfen?), sondern auch entstehen und verlöschen von Sternen. Das Stück endet, als zerbröselte eine Galaxie.
26. November 2015, Wolfram Quellmalz
(…) Die Dresdner Komponistin Karoline Schulz (*1973) hat für elole ein Bilderbuch geschrieben. Die weitreichenden Assoziationen, die ein solcher Titel für ein Musikstück auslösen kann, waren erlaubt und wurden eingelöst. Im Wörtlichnehmen des Betrachtens lag die Stärke des Stücks: Schulz arbeitete einer Klangmeditation ähnlich im Suchfeld zwischen den wahrnehmenden Sinnen. Visuelles, Gedachtes und Gefühltes wurde behutsam zum Klang und konnte sich beim Zuhörer wieder zu einem Bild formen. Die Aufmerksamkeit auf diesen Vorgang war in den vier Sätzen mit unterschiedlichen, auch disparaten Klanggesten umgesetzt, die Zeit schließlich brachte die Bilder ins Laufen.
DNN, Alexander Keuk
Im Überschwang des Raumes für Orchester
Kontrastreich - 9. Abend „Spannungen“ mit Sinfonietta Dresden
(…) Zeitgenössische Musik gab es wie immer im Zentrum des Konzertes, als Dresdner Beitrag und Uraufführung erklang „Im Überschwang des Raumes“von Karoline Schulz. Die Komponistin entfaltete in dem abwechslungsreichen Stück ein ganzes Klangbilderbuch, in dem sich die gegeneinander vierteltönig verstimmten Orchestergruppen einen dramatischen Schlagabtausch lieferten, der zuletzt in eine große, bewegte Klangfläche mündete. Dies war ein stark nachwirkender Klangrausch, der aber plastisch und nachvollziehbar blie, da Schulz zwischen ausgeklügelter Polyphonie und dem Hin- und Herberen von Einzeltönen immer wieder frech changierte.
DNN, Alexander Keuk
Streifzüge für Ensemble
(…) Ganz anders geht Karoline Schulz, Schülerin Jörg Herchet, zu Werk. Ihre „Streifzüge“ für Violine, Viola, Akkordeon, Schlagzeugen und Zuspiel kombinieren die Künstlichkeit des Instrumentalklangs mit Alltagsgeräuschen etwa in der Art der Musique concréte. Die Musik ist teils leise und übernervös, teils von schwelgender Klangfülle und breitem Melos. Erstaunlich vielfältig ist der Einsatz des Schlagwerks. Die Stärke der Komponistin liegt in der Schaffung einer starken und dichten Atmosphäre.
DNN, Peter Zacher